Angeben ist ein bisschen wie Selbstkontrolle

Man sagt uns Bloggern ja gerne ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein und Geltungsbedürfnis nach. Wir wollen uns präsentieren, ständig und jeden Tag, zeigen uns und unsere Sachen, teilen im Grunde jeden Gedanken mit einem Haufen fremder Menschen. Alles fing ganz klein an. Mit den Tagebüchern, die dann zu Blogs wurden, anfänglich Bestandteil einer kleinen Internetpräsenz, auf der wir Dinge gezeigt haben. Gebastelte Grafiken, gemalte Zeichnungen, gestrickte oder gehäkelte Werke, geschriebene Geschichten…wir wollten die Dinge in die Welt hinausschreien und erhofften uns Feedback, das wir so woanders nicht bekommen konnten, da meist die Gleichgesinnten im direkten Umfeld fehlten. Und manchmal da bekam das ganze natürlich auch einen Flair von Angeben. Natürlich, denn wenn es dann tatsächlich positives Feedback gab, dann wuchs das Selbstbewusstsein mit jedem netten Wort wieder ein Stückchen und ließ uns mehr an das glauben, was wir da taten.

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Inzwischen ist das alles ziemlich gewachsen, es gibt ganze Kategorien samt Unterkategorien für die Blogsphäre und teilweise lassen wir uns ziemlich gut in Schubladen einordnen, was durchaus seine Vorteile hat, weil man so viel schneller die Gleichgesinnten in den Unendlichkeiten des Internets findet. Aber nicht nur durch Blogs vernetzen wir uns heutzutage, nein, da sind inzwischen deutlich mehr Kanäle, über die wir uns austauschen. WIr sammeln Ideen auf Pinterest, zeigen Dinge auf Instagram und tauschen uns mit der Welt auf Facebook aus und damit seien jetzt nur mal drei der bekanntesten Möglichkeiten genannt, von denen ich mich jetzt auch gar nicht ausschließen kann.

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Ich habe ziemlich lange gezögert, bis ich auch diese Wege gegangen bin, weil ich es irgendwie überflüssig fand, aber als ich heute Morgen in meine Sidebar blickte und dabei die aktuellen Fotos von Instagram sah, da fiel mir etwas auf: Dadurch, dass ich ständig das (peinliche) Bedürfnis habe Euch mein Essen, meine Klamotten, Zeichnungen und dergleichen zu zeigen, weil ich mir dadurch natürlich Feedback und Motivation erhoffe, bin ich auch ständig darauf aus eben genau diese Dinge zu machen. Eigentlich will man sich nur selbst darstellen und dabei setzt man sich selber massiv unter Druck und Kontrolle.

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Natürlich kommt es besser an, wenn ich Müsli zum Frühstück und Salat zum Mittag zeige. Es sieht gesund aus und schmeckt auch gut. Ich mache es nur normaler Weise viel zu selten und man greift auch mal schnell zu den ungesünderen Alternativen. Durch das Bedürfnis die Dinge zu zeigen, greife ich deutlich öfter zu gesundem Essen. YEAH. Gleiches gilt für’s Zeichnen. Ich dokumentiere über diesem Weg die Zwischenschritte und will dadurch auch viel Zeit naher auf dem Laufenden halten, wodurch ich automatisch regelmäßiger den Stift in die Hand nehme, was vorher eher schwer fiel.

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Es ist ein bisschen wie mit dem Rauchen aufzuhören oder dem Abnehmen anzufangen: Da sagt man ja auch, dass man so vielen Leuten wie möglich davon erzählen soll, damit man viel mehr Kontrolle von allen Seiten hat. Witzig, dass wir uns das inzwischen selber irgendwie auferlegt haben und das nur, weil wir dem Drang dabei zu sein gefolgt sind und sich im Laufe der Zeit das Bedürfnis entwickelt hat auch eine Regelmäßigkeit zu erhalten…

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So viele Nachteile all das Internet heute mit sich bringt, es lassen sich irgendwie auch immer wieder Vorteile finden…irgendwie lustig. Oder geht es nur mir so?

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Kategorie Gedankenwelt

Frau Mondgras – Das bin ich, Sari. Gerne auch als Sari Mondgras bekannt und im Internet zu finden. 2-Fach-Mutter, Heldenehefrau, Kreativling, Harmoniesüchtig und ständig auf der Suche nach Glück. Ich komme aus Berlin, bin hier aufgewachsen und lebe hier seit ich denken kann.

6 Kommentare

  1. Also, ich finde, Du bringst das ziemlich gut auf den Punkt. Zwar denke ich mir sehr oft, dass ich deutlich produktiver wäre, wenn ich mich vom ablenkenden Internet losreißen könnte. Aber ich fand Dein Beispiel zum Thema Zeichnen sehr gut. Wenn man erst mal diese Kurve gekriegt hat, hat man erst recht den Ansporn immer weiter zu machen, mehr zu machen und zeitgleich mehr Feedback zu bekommen, was man ja eben nur erzielen kann, wenn man weiter macht. Das ist eigentlich voll gut 😀

  2. Mich persönlich beflügelt jedes Feedback was ich in irgendeiner Form erhalte. 🙂 Das sehe ich als positivstes daraus. Ansonsten muss ich gestehen denke ich immer nach bevor ich was poste / fotografiere; Ist das interessant? xD

    • Klar überlegt man vorher, ob das auch andere interessieren könnte, aber man sollte doch vordergründig an den Spaß denken, den man dabei hat, oder? Und nicht alles, was man macht gefällt nun mal jeden. Und natürlich ist jegliches Feedback aus allen Bereichen etwas Schönes. Heute bezieht es sich hier alt auf die sozialen Netzwerke als Blogger ^^

  3. Gut zusammen gefasst und ich finde, die positiven Seiten überwiegen! Da ist die Motivation und die Bestätigung, aber auch die Menschen die man kennen lernt! Ich hatte nie die Intention durch meinen Blog Leute kennen zu lernen, aber es passiert automatisch und es können sich richtig tolle Freundschaften daraus entwickeln! LG Jenny

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